Afrikanische Prachtfinken im Schwarm (H. Hunke)

Seit mehr als 30 Jahre züchte ich Prachtfinken. Hierbei habe ich über die Jahre sehr viel Erfahrung sammeln können. Wie jeder Züchter habe ich viele positive aber auch viele negative Erlebnisse gehabt. Beides ist wichtig, es hat mich gelehrt auf der einen Seite Berichte von anderen Züchtern aber auch meine eignen Erfahrungen bei der Zucht und Haltung der Prachtfinken zu berücksichtigen. Ich kann heute von mir behaupten fast alle bekannten Prachtfinken gehalten und auch gezüchtet zu haben. Hierzu zählen auch seltene afrikanische wie auch asiatische Prachtfinken.

Wie jeder Vogelliebhaber so war es auch mein Wunsch meine Prachtfinken in einer Voliere zu halten, um Ihr natürliches Verhalten besser beobachten zu können. Hierzu eignen sich Boxen nun mal nur bedingt. Das Problem einer Voliere ist generell die richtige Ausstattung und dann natürlich die Auswahl der Vögel. Hierzu gibt es wie immer unterschiedliche Auffassungen und Ansichten.

Der Importstop afrikanischer Vogelarten hat mich dazu verleitet eine Voliere mit afrikanischen Prachtfinken zu besetzen. Aber wie so oft im Leben, kam es auch bei mir zu Ausnahmen. Viele Vogelliebhaber wünschen sich eine möglichst bunte Vogelschar. Es werden dann die unterschiedlichsten Vögel in einer Voliere untergebracht. Die Herkunft der Vögel spielt dann keine Rolle. Papageiamadinen, Gouldamadinen werden mit verschieden afrikanischen Vögeln vermischt. Das mag durchaus gut aussehen, hat aber für mich einen entscheidenden Nachteil. Diese Vögel benötigen unterschiedlichste Futtersorten und diese Art der Haltung kann sich aufgrund unterschiedlicher Verhaltensformen durchaus negativ auf die Zucht auswirken. Grundsätzlich ist es wichtig sich über die Vogelarten die man in der Voliere pflegen will vorab zu informieren. Es gibt nun mal eine Reihe von Prachtfinken die man nur bedingt oder gar nicht in einer Gemeinschaft halten kann, von züchten kann  dann schon gar keine Rede mehr sein. Die aller meisten Prachtfinken sind jedoch gesellige Vögel die nach der Brutzeit in großen Schwärmen auf Futter oder Wassersuche sind.

Im ersten Jahr nach dem Bau einer neuen Voliere von circa 12 Quadratmeter habe ich mich dann wie angekündigt für afrikanische Prachtfinken entschieden. Die Voliere wurde mit unterschiedlichen Grünpflanzen und Büschen bepflanzt. Auch in Afrika leben die meisten Prachtfinken in halboffenen Landschaften, Buschland und Grassteppen.  Dann wurden 16 Nistkästen und 8 Nistkörbchen in unterschiedlicher Form und Größe angebracht.  Alle Nester habe ich mit Kokosfasern Nester grob vorgeformt. Viele afrikanische Prachtfinken bauen selbst keine Nester sondern beziehen die alten Nester anderer Vögel, der Weber zum Beispiel. Die Voliere ist zur Hälfte überdacht.

Der Boden der Voliere wurde teilweise mit Vogelsand bedeckt, der andere Teil ist Rasen. Den Vögeln habe ich dann ausreichend unterschiedlichstes Nistmaterial zu Verfügung gestellt, Kokosfasern, Sisalfasern, Gräser und Moos. Ein großer Blumenuntersetzer 60x60cm dient als Badewanne. In der Volierentür ist ein drehbares Futterbrett angebracht mit 3 Futternäpfen. Auf dem Volierenboden befindet sich ein weiterer, großer Blumenuntersetzer für die unterschiedlichsten Futtersorten, Astrildenkörnermischung, Eifutter, Kolbenhirse Gurken und Obst. Das angebotene Obst wird selten gefressen, lockt aber Insekten an, die dann gerne von allen Prachtfinken gefangen werden.  Viele Vogelarten nehmen ihr Futter lieber vom Boden auf als vom Futterbrett. Im Futterbrett gab es dann nochmal die Körnermischung, Eifutter und eine Mineralienmischung mit Holzkohle.

Viele Jahre der intensiven Vogelbeobachtung und auch wie auch die unterschiedlichste Literatur haben mich dann dazu veranlasst die Voliere mit Vögeln der Gattung Estrildinae zu besetzen. Die ersten Vögel die hier im Anfang Mai einzogen, waren auch meine kleinsten, 3 Paare der Goldbrüstchen, Unterart subflava clarkei und 3 Paare Senegalamaranten. Meiner Meinung nach waren dies die schwächsten Vögel und sie sollten eine ausreichende Zeit haben sich einzugewöhnen bevor weitere Vögel hinzukommen. Eine Woche später habe ich dann 3 Paare Gelbbauchastrilde und 3 Paare Blaukopfschmetterlingsfinken der Gemeinschaft zugefügt. Bis hierhin konnte ich keine Probleme feststellen. Innerhalb von 2 Wochen hatten alle Vögel Nester gebaut. Alle Vögel stammen aus Ostafrika beziehungsweise Zentralafrika. In meinen Boxen befanden sich noch 3 Paare Tüpfelastrilde (Tigerfinken). Nach langen Überlegungen und Zweifeln habe ich mich dann entschieden beide Paare ebenfalls in die Voliere zu entlassen. Auch mit den Tüpfelastrilden gab es zu keiner Zeit Probleme. Auf eine Beschreibung der einzelnen Vogelarten möchte ich hier jedoch verzichten.

Bereits nach 3 Wochen hatten alle Vögel die unterschiedlichsten Nester bezogen. Wer sich jetzt bereits auf Nachwuchs freut wird oft enttäuscht, weil viele Nester nur Schlafnester sind. Aus diesem Grund ist auch schwierig einen genauen Brutbeginn zu bestimmen. Neben den Nistkörbchen und Nistkästen wurden auch freistehende Nester in die Büsche gebaut. Der Grund warum ich zum Einen so viele Vögel in dieser Voliere untergebracht habe und dann auch jeweils bis zu 3 Paaren einer Vogelart, war, dass ich die Vögel auch in ihrem natürlichen Verhalten untereinander beobachten möchte. Die Vögel kommen auch in ihrer afrikanischen Heimat in Schwärmen vor und eine Paarbildung ist so wesentlich einfacher und geht schneller vonstatten. Ich habe zu keiner Zeit größeren Streit zwischen den Vögeln ein und derselben Art beziehungsweise Streit zwischen den verschiedenen Prachtfinkenarten beobachten können. Es sollten dann aber auch mindestens 3 Paare einer Art sein.

Meiner Meinung nach muss es innerhalb einer Voliere ausreichend Rückzugsmöglichkeiten in Form von Grünpflanzen und Büschen geben wohin sich die Vögel zurückziehen können um einem Streit aus dem Weg zu gehen. Man kann die Vögel dann beobachten wie sie im Schwarm funktionieren. Sie nutzen jede Möglichkeit um früh morgens oder am späten Abend gemeinsam in der Sonne zu sitzen und Gefiederpflege zu betreiben. Es wird grundsätzlich, wenn überhaupt,  nur die unmittelbare Nestnähe verteidigt. Trotzdem kommt es vor das sich im kleinen Nistkasten der Tüpfelastrilde meine Goldbrüstchen in einer Ecke noch ein Plätzchen sichern und ebenfalls anfangen zu brüten. Lange Verfolgungsjagten habe ich nie beobachten können. Meine afrikanischen Prachtfinken halten sich immer im Schwarm auf. Auch während ein Vogel brütet gesellen sich die Partner gerne mit den anderen Vögeln der gleichen Art zusammen.

 

Die Goldbrüstchen gehören seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsvögeln aufgrund ihres absolut friedlichen Verhalten und Aussehen. Goldbrüstchen sind immer in Bewegung. Sie sind überall in der Voliere zu finden und brüten sowohl in kleinen Nistkörbchen wie auch in halboffenen Nistkästen. Bei mir haben Sie nur in einem Fall ein älteres, freistehendes Nest der Tigerfinken genutzt. Bereits Ende Juni flogen die ersten jungen Goldbrüstchen aus. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann neben dem genannten Futter noch zusätzlich gefrostete und lebende Pinkys und Buffalos gefüttert. Trotz der kalten Witterung, nachts nur noch 15 Grad, waren bereits  Ende Mai die meisten Vögel mit der Brut beschäftigt, einzige Ausnahme die Gelbbauchastrilde.

                                                                                                                                                            Meine Senegalamaranten bekam ich fast nur bei der Futteraufnahme zu sehen, sie brüten generell in freistehenden, versteckten Nestern. Bei der Futteraufnahme sind die Kleinen dann aber die größten und setzen sich resolut gegen alle anderen Prachtfinken durch. Sie ernähren sich wie alle anderen Prachtfinken in meiner Voliere in erster Linie von kleineren Sämereien die ich nochmal mit Grassamen anreichere. Senegalamaranten halten sich gerne auf dem Boden auf, immer auf der Suche nach Ameisen und anderen Insekten. Zur Aufzucht ihrer Jungen haben Sie dann auch gerne gefrostete Pinkys genommen, dafür relativ wenig Lebendfutter in Form von Buffalos und Pinkys. Zusätzlich habe ich immer gefrorene, halbreife Silberhirse an meine Prachtfinken verfüttert.

Die Blaukopfschmetterlingsfinken brüten abwechselnd in den größeren Nistkörbchen, wobei das Weibchen sicher am meisten brütet. Die Balz dieser Vögel findet auf einem Ast statt. Das Männchen bewegt seinen Kopf vor und zurück oft mit einem Halm oder einer Feder im Schnabel während das Weibchen nur einen Halmtanz aufführt. Der Gesang der Blaukopfschmetterlingsfinken gehört meiner Meinung nach zu dem schönsten der afrikanischen Prachtfinkenarten. Eine weitere besondere Eigenart dieser Vögel hat mich mit dazu veranlasst diese Vögel in meine Gemeinschaft aufzunehmen. Während ein Partner mit der Brut beschäftigt ist füttert der andere Partner nicht nur die eignen Jungvögel, sondern auch die Jungvögel der anderen Arten. Es scheint so als würden die Blaukopfschmetterlingsfinken auf jeden Bettelruf reagieren. Es werden sämtliche Jungvögel in unmittelbarer Nähe gefüttert. Eine weitere Besonderheit konnte ich durch Zufall feststellen. Trotz einer mehr als ausreichenden Zahl an Nistmöglichkeiten und Nistmaterial hatten zwei Paare sich dasselbe Nistkörbchen ausgesucht. Die beiden Weibchen haben abwechselnd das Gelege aus 8 Eiern bebrütet. Die Hähne brüten generell seltener. Es sind dann 6 Junge ausgeflogen die von allen Blaukopfschmetterlingsfinken gemeinsam gefüttert wurden. Die Vögel werden sehr schnell zutraulich und sind absolut friedlich.

Den Gelbbauchastrild gab es in meiner Voliere nur im Schwarm zu sehen. Sie klettern wie die Meisen in den Ästen immer auf der Suche nach Blattläusen, Ameisen oder Spinnen. Ein Teller mit Obststücken zieht kleine Fliegen an und damit auch die Gelbbauchstrilde. In der Voliere aufgehängte Kolbenhirse wird kletternd erobert. Sie bauen gerne freistehende Nester, nutzen aber auch meine halboffenen Nistkästen. Trotz umfangreichem Futterangebot haben die Gelbbauchastrilde nie wirklich gebrütet. Sie haben die Nester nur als Schlafnester benutzt. Aber ihr zutrauliches Verhalten, nie aufgeregt, macht sie zu einer Bereicherung jeder gemischten Voliere. Sie sind absolut friedlich gegenüber allen anderen Vögeln in der Voliere. Für die Gelbbauchastrilde empfiehlt sich auf jeden Fall die Schwarmhaltung.

                                                                                                                                                                 Der einzige Nichtafrikaner, mein Tüpfelastrild, wird seit vielen Jahren von mir erfolgreich gezüchtet. Er gehört ganz sicher zu den pflegeleichten Vögeln. Sein schönes rotes Gefieder und der wunderbare Gesang des Männchens, sein friedfertiges Verhalten machen ihn zum idealen Volierenvogel. Vielfach wird berichtet, dass die Männchen gegenüber anderen rot gefärbten Vögeln oder auch gegen über anderen Männchen des Tüpfelastrilden sehr aggressiv seien. Ich konnte dies zu keiner Zeit bei meinen Vögeln feststellen.  An sein Futter stellt er keine großen Ansprüche. Neben dem klassischen Körnerfutter für Astrilde nimmt er bei mir Eifutter, gefrostetes Futter und zur Aufzucht auch lebend Futter. Die Brut findet bei mir in freistehenden Nestern statt. Er hat nie in den zu Verfügung gestellten Nestern gebaut. Aus Kokosfasern, Grashalmen und Moos baut er in Büschen sein Nest und brütet zuverlässig seine Jungen aus. Die Tigerfinken waren selten im Schwarm zu sehen, wenn überhaupt dann nur am Futterplatz. Gefiederpflege betreiben die Paare sehr innig und intensiv. In der gesamten Literatur wird berichtet, dass die Männchen ein Ruhekleid haben und sich erst zur Brutzeit rot färben. Ich halte 3 Paare schon seit mehr als 3 Jahren, die Männchen befinden sich seit ihrer Jugendmauser im roten Brutkleid. Ähnliche Erfahrungen haben andere Züchter gemacht. Bisher konnte mir niemand schlüssig erklären warum dies so ist.

Im Juli wurde es dann langsam sommerlich heiß und sämtliche Vögel haben aufgehört zu brüten. Der Glaube, dass die afrikanischen Prachtfinken große Wärme brauchen um erfolgreich zu brüten und sich wohl zu fühlen ist meiner Meinung nach ein Irrglaube. Meine größten Zuchterfolge habe ich in meiner Außenvoliere bei Temperaturen zwischen 20 bis 22  Grad im Mai, Juni und September bis Oktober. Die Monate Juli und auch August eignen sich an der Mosel aufgrund hoher Temperaturen nicht zur Zucht. Bei Temperaturen von über 25 Grad wird nur noch unregelmäßig gebrütet Auch die Afrikaner halten sich dann über Tage meist nur im Schatten auf. Bei noch höheren Temperaturen ist die Gefahr groß das die Jungvögel im Nest sterben weil es im Nest zu heiß ist.. Deshalb sollten die Nistkästen auch grundsätzlich in schattigen Bereichen angebracht werden. Mir ist klar das ich hier mit meiner Meinung auf Widerstand stoße, aber ich kann nur von meiner eignen Erfahrung und der eines Kollegen berichten. Wenn sich Vögel aufgrund zu niedriger Temperaturen unwohl fühlen, schreiten sie nicht zur Brut, genauso wenig wenn es zu heiß ist.

Während der gesamten Zuchtperiode wurden immer lebende Mehlwürmer, Pinkys und Buffalos angeboten. In der Literatur wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Vögel zur Aufzucht unbedingt Lebendfutter benötigen. Bei mir wurde von den genannten Vogelarten nur wenig des angebotenen Lebendfutters aufgenommen. Natürlich haben sich die Vögel lebende Insekten fangen können die in die Voliere gelangt sind. Gefrostetes Futter, wiederum Pinkys und Buffalos, wurden 2mal am Tag angeboten und auch gerne genommen. Dies hat sicherlich damit zu tun das meine Vögel Nachzuchten sind, die bereits an Frostfutter gewöhnt sind.. Ähnliches kann ich über Grünfutter berichten. Meine Vögel haben ganz selten das angebotene Grünfutter akzeptiert. Weder Vogelmiere, noch Löwenzahn oder Salat haben großes Interesse geweckt. Meiner Meinung nach nehmen die afrikanischen Prachtfinken im Vergleich zu den Australiern generell weniger Grünfutter auf. Halbreife Silberhirse und Gurke wird hingegen gerne gefressen und ist für die Jungenaufzucht unbedingt erforderlich. Grundsätzlich ernähren sich die Prachtfinken mit Ausnahme der Brutsaison hauptsächlich von halbreifen oder reifen Grassamen, deshalb sollte das Standardfutter immer einen großen Anteil Grassamen beinhalten. Dies ist auch erforderlich um eine Verfettung der Vögel oder Leberschäden zu vermeiden. Wichtig ist einfach eine große Auswahl wozu auch ein Eifutter gehört. Ein weiterer positiver Faktor der Schwarmhaltung ist das Vögel die eine bestimmte Futtersorte, wie zum Beispiel das Frostfutter, nicht kennen, durch andere Vögel angelernt werden dieses Futter aufzunehmen.

Als Nistmaterial bekommen die Vögel von mir die unterschiedlichsten Materialien. Zu Anfang wird sehr viel Sisal und Kokosfaser verbaut. Hinzu kommen Gräser die ich auf eine Länge von 25 Zentimeter zuschneide. Zum Abschluss dann weiße Scharpie oder Federn die die Vögel sehr gerne verbauen um ihre Nester auszupolstern. Sobald ich diese in der Voliere verstreue herrscht große Aufregung. Ein wichtiger Grund warum ich die unterschiedlichen Materialien zu Verfügung stelle ist, dass viele afrikanische Prachtfinken Einflugröhren bauen. Die Einflugröhre sollte stabil sein und nicht zusammenfallen können was immer wieder vorkommt wenn wir nur Kokosfasern reichen. Dann ist eine Brut verloren bevor der Vogelhalter es bemerkt.

Ich möchte hier nur von meinen eigenen Beobachtungen berichten und unter Umständen haben andere Züchter andere Erfahrungen gemacht. Auch unsere Vögel sind Individuen und können sich immer wieder, bei gleicher Art, unterschiedlich verhalten. Es gibt jedoch einige grundsätzliche Dinge bei der Vogelzucht zu beachten. Die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Zucht ist Beobachtungsgabe gepaart mit Geduld. Erfahrungen anderer Züchter können ein wichtiger weiterer Baustein sein. Eine Voliere ist ein eingeschränkter Lebensraum und wir sollten uns gut überlegen wie wir eine Voliere ausstatten und mit Vögeln besetzen damit sich die Vögel wohlfühlen können und der Züchter auch Zuchterfolge und damit Spaß an seinem Hobby hat. Während des gesamten Halbjahres habe ich in meiner Außenvoliere nur einen toten Senegalastrilden unbekannten Alters zu beklagen gehabt. Im gleichen Zeitraum haben meine Paare 19 junge Goldbrüstchen, 13 Blaukopfschmetterlingsfinken, 14 Senegalastrilde und 8 Tüpfelastrilde aufgezogen.

 

Viele Beobachtungen habe ich nur deshalb machen können, weil ich mehrere Paare einer Art in einer Voliere pflege. Ich habe in all der Zeit nie feststellen müssen, dass sich dies negativ auf die Zucht ausgewirkt hätte. Im Gegenteil, ich bin fest davon überzeugt, dass bei der richtigen Zusammenstellung, die Schwarmhaltung ein großer Vorteil ist. Es war auch nie so, dass nur ein Paar, das Dominantere, gebrütet hat. Es haben von den bei mir gehaltenen Arten immer mehrere Paare gleichzeitig gebrütet. Auch um das sehr interessante Sozialverhalten der Vögel zu beobachten empfiehlt sich auf jeden Fall die Schwarmhaltung. Meiner Meinung nach kann man erst im Rahmen einer Schwarmhaltung das natürliche Verhalten der Vögel beobachten. 


Der Senegal - Amarant in einer kleinen Gemeinschaftsvoliere

Vom Senegal – Amaranten sind insgesamt 6 Unterarten bekannt, die einen Großteil des afrikanischen Kontinents bevölkern mit Ausnahme der Regenwälder und Wüstengebiete.

 

 

Durch einen Zufall bin ich noch mal in den Besitz von 2 Paaren des Senegal - Amaranten, der Unterart Lagonosticta senegala ruberrima, gekommen. Bereits in früheren Jahren habe ich erfolgreich den Senegalamaranten gezüchtet und mir war somit klar was auf mich zukommt wenn ich jetzt Zuchtversuche starte. Die beiden Paare wurden getrennt untergebracht. 

 

Ein Paar der Senegal - Amaranten befindet sich in einer kleinen Gemeinschaftsvoliere mit zwei Paaren des Tüpfelastrilden und einem Paar Orangebäckchen. Die Voliere ist ausgestattet mit Nistkörbchen und halboffenen Nistkästen, sowie Tannenzweigen um frei stehende Nester zu ermöglichen. Bereits nach 2 Wochen stelle ich den Nestbau der Amaranten in 50 cm Höhe in einem halboffenen Nistkasten fest. Als Nistmaterial werden Kokosfasern bevorzugt. Die Orangebäckchen bauen in 80 cm Höhe in ein Körbchen, die Tigerfinken in 150 cm Höhe in einen halboffenen Nistkasten. Wie bei einigen anderen afrikanischen Prachtfinkenarten drehen mir Weibchen wie auch Männchen bei großer Annäherung den Rücken zu und stellen den Schwanz steil nach oben. Die Vögel sitzen dann stocksteif und beobachten genau mein Verhalten.   

 

Ich reiche Futter in Form von Eifutter mit großem Insektenanteil vom Prachtfinken-Zentrum Köln, eine Prachtfinken – Körnermischung, gefrostete, halbreife Silberhirse, gefrostete Buffalos und Pinkies, rote Kolbenhirse  und natürlich Grit mit zerkleinerten Eierschalen und Mineralien.  Erstaunlicherweise werden kein Keimfutter und auch kaum Silberhirse gefressen. Die Temperatur im Zuchtraum beträgt 22 Grad.

 

Brutbeginn der Senegal - Amaranten. Es brütet tagsüber überwiegend das Männchen. nachts oft das Weibchen. Alle anderen Paare legen keine Eier und interessieren sich auch nicht mehr für ihre Nester. Eine Balz der Amaranten konnte ich nicht feststellen, lediglich das enge zusammen sitzen und kraulen der Partner.

 

Nach dem die Vögel circa 10 Tage gebrütet haben, beginne ich zusätzlich Lebendfutter in Form von kleinen, gehäuteten Mehlwürmern zu füttern, die nur von den Amaranten angenommen werden. Anderes Lebendfutter, wie Enchyträen oder Blattläuse, werden von den Vögeln abgelehnt. Füttere jeweils am Morgen und am späten Nachmittag. Die Vögel sind jetzt sehr nervös. Ein Zeichen das die Jungvögel geschlüpft sind.  

 

Die Vögel brüten und hudern intensiv, es sind in den ersten Tagen keine Jungvögel zu hören. Ich vermeide eine Nestkontrolle. Erst 2 Tage vor dem ausfliegen höre ich ein leises Piepsen aus dem Nest. Die Jungvögel fliegen bereits circa 14 Tage nach dem Schlupf  aus. Habe mich nicht getraut die Jungvögel im Nest zu beringen, obwohl oft berichtet wird das dies kein Problem darstellt.

 

Erst fliegt ein einzelner Jungvogel aus, dann am nächsten Tag noch einmal 3 Jungvögel. Die Vögel sind bereits voll flugfähig und in gutem Zustand. Füttere jetzt weiter verstärkt gehäutete Mehlwürmer die sofort von den Altvögeln aufgenommen werden.

 

 

Die Jungvögel gehen nur noch am ersten Tag am Abend zurück ins Nest, danach nicht mehr.

Die 4 Jungvögel sitzen am Abend eng zusammen. Eine Nestleite gibt es nicht. Die Amaranten sind nach meiner Feststellung keine Nestschläfer. Die Altvögel kümmern sich intensiv und beobachten die Jungvögel permanent. Beringe die Jungvögel jetzt problemlos mit 2,5mm geschlossenen Ringen.

 

Bereits vom sechsten Tag an  nach dem Ausfliegen interessieren sich die Jungvögel für das angebotene Futter. Ab dem neunten Tag nehmen alle Jungvögel selbstständig Futter auf, jedoch kein Lebendfutter. Es gibt nur noch selten Bettelversuche, die dann auch grundsätzlich von den Altvögeln abgelehnt werden.

 

Es gibt keinerlei Streitigkeiten in der Voliere. Weder die Tigerfinken noch die Orangebäckchen zeigen Interesse an ihren gebauten Nestern. Am Futter sind die Amaranten immer die Ersten. Erst wenn alle Amaranten das Futter verlassen haben, kommen zuerst die Tigerfinken und dann die Orangebäckchen zum Futter. Es ist eine starke Dominanz der Amaranten  feststellbar bei der Nistplatzsuche und am Futterplatz.

 

Zwei Wochen nach dem Ausfliegen der Jungen beginnen die Altvögel eines der Tigerfinkennester in 150 cm zu besetzen und auszubauen. Wiederum ein halboffener Nistkasten.  Drei Wochen dach dem ausfliegen der ersten Brut werden wieder 3 Eier bebrütet. Das alte Nest wird weder von den Jungvögeln noch von den Altvögeln beachtet. Die Jungvögel sind vollkommen selbstständig und stören die Eltern nicht.  

 

Zur gleichen Zeit beginnt mein zweites Paar der Senegal - Amaranten in einer Zuchtbox mit dem Nestbau.

 

Während dieser Zeit nehmen die Amaranten kein Lebendfutter an. Lediglich gefrostete Pinkies und Buffalos werden in kleinen Mengen aufgenommen. Zwei Tage vor dem errechneten Schlupf der neuen Jungvögel beginne ich wieder gehäutete Mehlwürmer zu füttern.  Tatsächlich werden in den ersten 2 Tagen die Mehlwürmer kaum beachtet. Ab dem dritten Tag stelle ich fest, dass sowohl die Mehlwürmer wie auch das Frostfutter in großen Mengen gefressen werden. Für mich ist somit klar, dass die Jungvögel geschlüpft sind. Eine Nestkontrolle nehme ich nicht vor.

 

Das Paar in der Zuchtbox brütet. Nach etwa 8 Tagen stelle ich jedoch fest, dass beide Elternvögel nicht mehr ins Nest zurück kehren, das Nest wurde leider aufgegeben obwohl sich drei befruchtete Eier darin befanden. Während dieser Zeit sind die Jungvögel aus dem Nest in der Voliere ausgeflogen. Wiederum bemerke ich, dass sich die Jungvögel extrem schnell entwickeln und bereits ab dem neunten Tag selbstständig sind.

 

Erstaunlich schnell verläuft dann auch die Jugendmauser. Nach 3 Monaten sind die Jungvögel der ersten Brut bereits vollständig durchgemausert. Ich lasse die Jungvögel mit den Eltern im Schwarm zusammen und entnehme jetzt sämtliche Nester damit sich die Amaranten in Ruhe

entwickeln können.

 

Aus Platzgründen muss ich 2 Monate später sämtliche Amaranten in der kleinen Voliere unterbringen. Dafür dürfen die Tüpfelastrilde wie auch die Orangebäckchen in Zuchtboxen. Außerdem kommt noch 1 Paar der Blaukopfschmetterlingsfinken in diese Voliere. Im Unterschied zu den Orangebäckchen und Tüpfelastrilden werden die Schmetterlingsfinken gleichberechtigt am Futterplatz akzeptiert. Es kommt zu keinerlei Streitigkeiten zwischen den Vögeln. Dieses Verhalten ist auch aus der freien Natur bekannt wo Amaranten mit den Schmetterlingsfinken im Schwarm leben.

 

Schon nach kurzer brüten die 2 Paare der Amaranten und das Paar Schmetterlingsfinken. Ich beginne wiederum verstärkt lebende, gehäutete Mehlwürmer zu füttern die auch gerne aufgenommen werden. Die Brut der Amaranten und der Schmetterlingsfinken verläuft völlig störungsfrei. Es fliegen dann sieben junge Amaranten und 3 Schmetterlingsfinken aus. Damit die Vögel keine weitere Brut beginnen, entferne ich sämtliche Nester.

 

 

Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass sich die Senegal - Amaranten bei entsprechenden Haltungsbedingungen gut züchten lassen. Diese Amarantenart kann durchaus mit mehreren Paaren in einer Voliere gehalten werden. Bei einer Vergesellschaftung mit kleineren Vögeln wie Tüpfelastrilde; Orangebäckchen und Goldbrüstchen kommt es ebenfalls zu keinerlei Streitigkeiten. Bei Zuchtabsichten muss jedoch die Dominanz der Amaranten beachtet werden. Ich empfehle aus eigener Erfahrung eine Vergesellschaftung mit Schmetterlingsfinken, Wellenastrild oder Schönbürzeln. Wichtig ist, dass für die Entwicklung der Jungvögel ausreichend Lebendfutter gefüttert wird, ansonsten brechen die Altvögel das füttern ab und ignorieren das Nest mit den Jungvögeln. 

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Die Gouldamadine

Der sicherlich beliebteste Prachtfink der Züchter ist wohl die Gouldamadine. Dies hat mehrere Gründe. Ihr vielseitiges Erscheinungsbild und meist friedliches Wesen machen die Gouldamadine zu dem idealen Ziervogel. Ihre Heimat ist das nördliche Australien das zu den wärmsten Gebieten unserer Erde gehört. Mit extremen Temperaturen von bis zu 45 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 % stellt diese Region extreme Anforderungen an den Organismus der Tiere. Innerhalb ihres Verbreitungsgebietes kommt es zu großen Wanderungen abhängig von der jeweiligen Wettersituation. Die Brutregion liegt in den südlicheren Savannen im Norden des Kontinents. Hier beginnen die Vögel gegen Ende der Regenzeit  im Monat Februar mit der Brut. Es kommt bis in den Monat August bei günstigen Witterungsverhältnissen bis zu 3 Bruten. Beginnt die Trockenzeit früher, beenden die Gouldamadinen ihre Brutphase unter Umständen auch schon im Mai. Trocknen hier die Flüsse und Wasserstellen aus, ziehen die Vögel weiter nach Norden in die Küstenregion. Generell ist davon auszugehen, dass sich die Vögel dann auf der Suche nach neuen Wasserstellen und damit Nahrungsquellen befinden. Bevorzugt werden grundsätzlich halbreife Sämereien und Insekten die es bei der feuchtwarmen Luft in großen Mengen gibt.

 

Die Gouldamadine ist eine polymorphe Art. Das Kopfgefieder kann stark variieren. Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene Kopffarben in der freien Natur die aber stark voneinander abweichen können. Wir unterscheiden hier die am meisten vertretene schwarze

Variante, die rotköpfige Variante und die sehr seltene gelbköpfige Variante. Da sich die Vögel auch unabhängig von der Kopffarbe verpaaren gibt es auch innerhalb der Schwärme spalterbige Vögel. Die Männchen sind intensiver gefärbt. Das betrifft sowohl das Brustgefieder als auch das Kopfgefieder. Auch das grüne Rückengefieder wirkt bei den Weibchen blasser als bei den Männchen.

 

Die Gouldamadine ist in ihrer Heimat Australien selten geworden und wird heute als gefährdet eingestuft. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen durch Menschenhand

geschaffen, wie Forst und Landwirtschaft, den Tagebau und hierdurch Verlust an Wasserstellen, sowie Nistplätzen. Aber es wird auch vermutet, dass sich durch freigelassene Vögel die Luftsackmilbe verbreitet hat und dies zu einem Rückgang der natürlichen Population geführt hat. Letztendlich hat der Mensch diese interessanten Vögel auch in großem Maße bis zum Jahr 1980 gefangen um sie dann als Ziervogel zu halten. Intensive Beobachtungen der Vögel in der freien Natur und ein eigens geschaffenes Programm zur Arterhaltung sollen hier entgegen wirken.

 

Die Gouldamadine ist ein Schwarmvogel. Schwärme von mehr als 100 Vögeln außerhalb der eigentlichen Brutzeit sind keine Seltenheit. Während der Brutzeit sind die Schwärme kleiner. Innerhalb eines Schwarms finden wir, wie bereits beschrieben die unterschiedlichen Kopffarben. Die Vögel verständigen sich innerhalb eines Schwarms durch leises Rufen, für den Menschen kaum wahrnehmbar. Der Zusammenhalt eines Schwarms erklärt sich durch die permanente Suche nach Nahrung oder Wasser. So wurden Schwärme beobachtet die sich am frühen Morgen innerhalb menschlicher Siedlungen Häuser aussuchten wo gerade der Rasen beregnet wurde. Hier haben sich die Vögel beregnen lassen und auch getrunken.

 

Die Geschlechtsreife der Vögel beginnt extrem früh. So sind junge Männchen die sich noch komplett im Jugendgefieder befinden bereits beim balzen zu beobachten. Noch nicht völlig ausgefärbte Vögel sind bereits geschlechtsreif und ziehen auch problemlos ihr Jungen auf. Dies sollte uns allerdings nicht dazu verleiten Vögel die jünger sind als 9 Monate zur Zucht zu verwenden. Die sehr frühe Geschlechtsreife ist sicherlich durch die extremen Winterungsverhältnisse und vielen Fressfeinde entstanden. Wir hingegen haben die Möglichkeit die Vögel ohne diese Probleme aufwachsen zu lassen bis die Vögel komplett durchgefärbt sind und ein Mindestalter von 9 Monaten bis zu einem Jahr erreicht haben.

 

 

Die Vögel brüten überwiegend in der Kimberlyregion oder im nordwestlichen Queensland in

der Nähe von Flüssen oder anderen Wasserstellen Hier suchen sie in den Eukalyptusbäumen nach geeigneten Bruthöhlen. Selten werden freistehende Nester gebaut. Häufig benutzen die Gouldamadinen ältere Nester und Bruthöhlen von anderen Prachtfinken oder Wellensittichen. Ein Gelege besteht aus 5 bis 7 Eiern und wird von den Paaren gemeinsam bebrütet. Das brüten begingt normalerweise mit der Ablage des 4 oder letzten Eies. Die Jungvögel schlüpfen nach 14 Tagen und werden dann weitere 3 Wochen gehudert. Halbreife Grassamen bilden hier die Hauptnahrung, seltener werden Termiten, kleinere Käfer und Spinnen verfüttert. Generell nehmen Gouldamadinen nur wenig tierische Nahrung auf. Die Gouldamadine nimmt ihre Nahrung direkt von den Rispen der Gräser auf. Sie hält sich nur sehr ungerne auf dem Boden auf. Je nach den Witterungsbedingungen werden mehrere Bruten hintereinander erfolgen. Ältere Jungvögel unterstützen die Altvögel dann bei der Fütterung. Trotz der hohen Nachzuchtrate überleben viele Jungvögel nicht. Schlangen, verschiedenen Fliegenarten und auch Ameisen fallen die Jungvögel zum Opfer. Greifvögel und auch Schlangen erbeuten häufig die Elterntiere. Hinzu kommt die lange Trockenzeit die viele Opfer unter den Jungvögeln fordert.

 

Die australischen Wildvögel unterscheiden sich in hohem Maße von den heute in Europa gezüchteten Vögeln. Während wir in Australien viele Vögel innerhalb der Schwärme finden die noch nicht komplett durchgefärbt sind, so können wir hier die Vögel in der Wildfarbe aber auch in vielen Mutationsformen bewundern. Die Vögel sind ähnlich dem Wellensittich in ihrer Wildform wesentlich kleiner. Die Selektionszucht über viele Jahre hat hier dazu geführt das wir heute über größere und auch farbenprächtigere Gouldamadinen verfügen. Es bleibt dem einzelnen Züchter überlassen ob er diese Entwicklung positiv findet und mittragen möchte.

 

Haltung und Zucht

 

Die Gouldamadine ist in der freien Natur ein Schwarmvogel. Die Haltung dieser schönen Vögel ist aus diesem Grund auch in einer Voliere im Schwarm problemlos möglich. Es wird immer wieder einmal zu kleineren Streitereien kommen denen man aber keine größere Bedeutung beimessen muss. Wenn trotzdem ein Hahn während der Brutphase zu streitsüchtig wird sollte man ihn aus der Voliere entfernen. Ist ausreichend Platz vorhanden empfiehlt sich eine Haltung in einer Voliere von mindestens 3 Paaren. Es ist dann eher kein Paar versucht den dominanten Part zu übernehmen. Die Kopffarben spielen bei einer Schwarmhaltung keine Rolle. Es kommt einzig auf das Empfinden des Züchters an. Die freie Partnerwahl und damit die Anlehnung an das Leben in der freien Natur erleichtert es den Vögeln den richtigen Partner zu finden und somit beginnen sie auch eher mit der Brut. Im Schwarm kommt ihr Sozialverhalten zudem weitaus besser zur Geltung. Natürlich kann dieser schöne Vogel in der Voliere auch mit anderen Prachtfinken vergesellschaftet werden.

 

Wer sich für diese Art der Haltung entscheidet sollte am Anfang überdenken wie viele Vögel er in der Voliere unterbringen möchte. Als Grundsatz sollte gelten, dass ein Paar 1 m3  Platz benötigt. Zudem sollte für ausreichend Nistkästen gesorgt sein. Pro Paar sollten hier 2 Nistkästen zu Verfügung stehen. Die Gouldamadine ist ein Höhlenbrüter und entsprechend sollte auch der Nistkasten aussehen damit die Vögel ihn akzeptieren. Die Wahl des richtigen Nistkastens gehört zum Balz und Brutverhalten der Vögel. Stehen nicht ausreichend Nistkästen zu Verfügung kommt es sehr schnell zu Streitereien die eine erfolgreiche Zucht unmöglich machen. Neben den Nistkästen sollten natürlich genügend Sitzmöglichkeiten in Form von Naturästen oder auch der im Handel erhältlichen Sitzstangen geschaffen werden. Ist die Voliere ausreichend groß kann man mit  Zypressen oder Thujaästen zum Beispiel Ruhezonen schaffen die nicht von überall einsehbar sind. Unterschiedliches Nistmaterial, wie Sisal und Kokosfasern, wird von den Vögeln in die Nistkästen getragen. Ich selbst forme vor dem aufhängen der Nistkästen mit Kokosfasern leicht eine Nestform in den Nistkästen vor. Die Nistkästen werden nur selten umfangreich ausgepolstert. Unbedingt zu beachten ist hierbei das die Nistkästen auf keinen Fall der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein dürfen. Es besteht hier ansonsten die Gefahr, dass die Jungvögel bei höheren Sommertemperaturen in den viel zu heißen Nistkästen verenden. Da die Gouldamadine aus den wärmsten Regionen Australiens kommt und dort ständig, auch nachts, mit Temperaturen von über 30 Grad auskommt, ist sie bei uns für eine reine Außenvoliere nicht geeignet. Speziell feuchtkaltes Wetter macht ihr sehr zu schaffen. Eine erfolgreiche Zucht wird unter solchen Bedingungen nur selten möglich sein. Da sich Gouldamadinen nur ungern auf dem Boden aufhalten sollte ein Futterbrett in einer Höhe von circa 1m vom Boden angebracht werden. Die Vögel fühlen sich dann bei der Futteraufnahme wesentlich sicherer.

 

Die Voliere ist sicherlich die beste Art der Unterbringung von Vögeln allgemein. Für die Gouldamadine gibt es jedoch einige Besonderheiten zu bedenken. In erster Linie ist die

Voliere für die Haltung der Gouldamadine in ihren Wildfarben geeignet. Unabhängig von der jeweiligen Kopffarbe werden sich die Vögel dann verpaaren und erfolgreich ihre Jungen aufziehen. Sollte der Züchter jedoch Interesse an den unterschiedlichen Farbmutationen der Gouldamadine haben eignet sich die Voliere nicht. Wer Mutationen züchtet, sollte unbedingt die Haltung in Einzelboxen vorziehen. Die Zwangsverpaarung entsprechend dem gewünschten Aussehen des späteren Wunschvogel ist hier unabdingbar. Hier sollte auch über eine längere Zeitspanne die Zucht kontrolliert ablaufen können. Kontrolliert bedeutet hier, dass ich das Aussehen meines Wunschvogels immer im Auge behalte und über die Zusammensetzung der Elternvögel entsprechend der Vererbungslehre ein klares Ziel verfolge. Über ein Zuchtbuch wird die Vererbung über mehrere Generationen überwacht.

 

Die Boxen, unabhängig ob Wildfarbe oder Mutation, sollten eine Größe von 1m x 50cm x 50cm nicht unterschreiten. Damit die Vögel sich wohlfühlen können und gesund bleiben, sollte in einer solchen Box auch immer nur 1 Paar während der Zucht gehalten werden.

 

Für alle Züchter sollte gelten, dass wir unsere Zuchtbemühungen den Verhältnisse in der freien Natur, so weit wie möglich anpassen. Den natürlichen Bedürfnissen der Vögel sollten wir immer versuchen Rechnung zu tragen soweit es in unseren Möglichkeiten liegt. Einen ganz besonderen Stellenwert hat hier für den Züchter der Brutrhythmus. Alle Vogelarten unterliegen solchen Zyklen. Grundsätzlich unterscheide ich hier zwischen einer Ruhephase und der Zuchtphase. Es ist wichtig, dass wir hier eine klare Unterscheidung beibehalten.

 

Beginnen wir mit der eigentlichen Zuchtphase. Die eigentliche Zuchtphase beginnt bei mir Ende Oktober, Anfang November. Wichtig sind die Überwachung des Gesundheitszustandes und ein ausreichendes Alter der Vögel. Ist beides gegeben, verlängere ich zunächst den Lichtrhythmus. Das bedeutet, die künstliche Beleuchtung wird schrittweise so geschaltet, dass für die Vögel die Helligkeit am Tag bis zu 16 Stunden beträgt. Parallel verändere ich die Ernähung. Wichtig für meine Vögel ist halbreife Silberhirse, alternativ Keimfutter, und kleinere Mengen Eifutter. Dieser Prozess dauert circa 3 bis 4 Wochen. Es ist dann vielfach bereits so, dass die Vögel in vielerlei Form ihre Brutbereitsschaft anzeigen. Zum Beispiel durch verstärktes balzen der Hähne oder es werden Halme der Silberhirse in das Badehäuschen getragen. Jetzt ist dann der Zeitpunkt gekommen um die Nistkästen anzubringen. Die Vögel bekommen Nistmaterial das in kurzer Zeit im Nistkasten verbaut wird. Auch hier habe ich in den Nistkästen mit der Hand bereits mit Kokosfasern ein Nest leicht vorgeformt. Sobald die Vögel fest brüten gebe ich keine halbreife Silberhirse und auch kein Eifutter mehr um einem verfetten der Elternvögel vorzubeugen.

 

Die eigentliche Brutphase beginnt normalerweise mit der Ablage des letzten Eies. Von jetzt an werden die Eier zwischen 14 und 16 Tagen bebrütet. Sobald das erste Junge geschlüpft ist gebe ich wieder die Silberhirse und auch das Eifutter. Die Elternvögel hudern abwechselnd die Jungen bis zu einem Alter von circa 10 Tagen. Nach etwa 3 Wochen werden die Jungen dann ausfliegen. Abweichungen hiervon sind oftmals bedingt durch Temperaturschwankungen.  Ich selbst entferne dann den Nistkasten damit sich die Elternvögel intensiv um die Jungvögel kümmern und nicht schon wieder mit einer neuen Eiablage beginnen. Außerdem würden die Jungvögel immer wieder in das Nest zurückkehren und neue Eier durch ihren Kot beschmutzen und einen weiteren Bruterfolg erschweren. Nach weiteren 2 Wochen kann ich dann den Nistkasten wieder in der Box anbringen. Die Jungvögel gehen dann normalerweise nicht mehr in das Nest zurück. Nach kurzer Zeit können wir dann feststellen, dass eine neuerliche Eiablage erfolgt ist und meine Goulds wieder zuverlässig brüten. Je nach dem Gesundheitszustand und der Anzahl der Jungvögel lasse ich maximal 3 Bruten zu. Die Jungvögel können durchaus bis zum ausfliegen der nächsten Brut in der Box verbleiben. Ist ausreichend Platz vorhanden auch noch länger. Wir können dann feststellen das die älteren und futterfesten Jungvögel die Eltern beim füttern der neuen Jungvögel unterstützen.

 

Spätestens im Mai beende ich dann die Brutperiode und es beginnt die Ruhephase. Die Nistkästen werden entfernt und die Tage durch den Lichtrhythmus wieder kürzer geschaltet. Silberhirse und auch Eifutter wird dann nicht mehr gegeben. Das normale Körnerfutter für Gouldamadinen wird von mir dann noch mit zusätzlichem Grassamen angereichert. Diese Maßnahmen lehnen sich an die Bedingungen und an das Verhalten der Vögel in der freien Natur an und dienen ausschließlich der Gesundheit der Vögel. Wichtig ist hier ein ganz besonders beherztes eingreifen wenn wir die Vögel in einer Voliere untergebracht haben,

da hier eine genaue Kontrolle des Brutablaufs und der Aufzuchtphase erschwert wird. Es kommt nicht selten vor das die Vögel unablässig brüten bis das Weibchen dann schließlich völlig ausgelaugt tot im Nest aufgefunden wird.

 

Die Jugendmauser der Gouldamadinen beginnt in Australien ab der 6 Woche und endet meist nach 3 bis 4 Monaten. Die Länge der Mauser ist sehr stark abhängig von den Lebensbedingungen. Hier spielen die Nahrung und Temperaturen eine große Rolle. Aus diesem Grund kommt es auch häufig vor, dass diese wunderschönen Vögel die Jugendmauser bei uns erst nach 6 Monaten abschließen. Werden die Jungvögel bereits vor dem Ende der Jugendmauser brutreif und beginnen selbst mit einer Brut, so kann sich die Mauser auch über ein Jahr hinziehen. Junge Gouldamadinen sind während der Mauser besonders anfällig gegenüber größeren Temperaturschwankungen.

 

Für die Gesundheit der Vögel ist es wichtig, dass wir egal welche Haltungsvariante wir vorziehen, eine Mindesttemperatur von 22 Grad erreichen können. Die Weibchen leiden bei niedrigen Temperaturen sehr schnell an Legenot. Generell ist es wichtig, dass die australischen Prachtfinken keiner nasskalten Witterung ausgesetzt werden. Richtig aktiv werden die Gouldamadinen erst bei Temperaturen oberhalb der 25 Grad.

 

Ammenzucht, wie von vielen holländischen oder japanischen Züchtern praktiziert, wird von mir grundsätzlich abgelehnt. Wir sollten als Züchter nur Naturbruten zulassen um eine Fehlprägung der Jungvögel auszuschließen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Goulds die wie zuvor beschrieben aufgewachsen sind, auch wesentlich einfacher zur Brut schreiten als Vögel aus einer Ammenzucht. Die Jungvögel erlernen über die Aufzuchtphase und das füttern ihrer Geschwister eigene Junge aufzuziehen. Dies wird auch von vielen Beobachtungen aus der freien Natur ergänzend beschrieben.

 

Ernährung

 

Zur gesunden Ernährung der Gouldamadinen gehören 5 wichtige Bausteine. Der wichtigste Baustein ist nach wie vor ein gehaltvolles und auf diese Vogelart abgestimmtes Körnerfutter.

Dieses Mischfutter wird dem jeweiligen Lebenszyklus angepasst. Ein Standardfutter für die

Gouldamadinen wird Senegalhirse, Negersaat, Mannhirse, Silberhirse und Glanz beinhalten.

Dieses Futter stellt das Basisfutter während der Brutphase dar. Mit Abschluss der Brutphase und zum Beginn der Ruhephase füge ich Grassamen, zum Beispiel Knaulgrassamen, hinzu. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Körnerfutters ist die rote Kolbenhirse die ganzjährig zu Verfügung stehen sollte.

 

An zweiter Stelle und besonders wichtig für eine erfolgreiche Zucht ist das Keimfutter oder aber die halbreife gefrorene Silberhirse. Beides beinhaltet wichtig Vitamine die in der Brutphase unbedingt im Futter enthalten sein sollten, wie zum Beispiel Vitamin E das sich stimulierend auf den Bruttrieb auswirkt. Sauberkeit bei der Herstellung von Keimfutter ist oberstes Gebot. Keimfutter muss täglich erneuert werden um einer Schimmelbildung vorzubeugen. Die Gefäße und Schalen die die für Herstellung und das anreichen von Keimfutter benötigt werden müssen täglich gespült werden. Keimfutter lässt sich auch sehr gut mit einem Eifutter vermischen. Wer nicht die Zeit aufbringen kann um täglich sauberes Keimfutter herzustellen, sollte lieber halbreife, gefrorene Silberhirse verfüttern.

 

Grünfutter wird von vielen Gouldamadinen gerne gefressen. Wer Grünfutter verfüttert sollte sich vergewissern, dass das Futter frei von Giftstoffen ist. Beim sammeln von Grünfutter landwirtschaftlich genutzte Flächen meiden. Grünfutter sollte vor dem verfüttern gründlich gewaschen werden aber nicht zu nass verfüttert. Gängiges Grünfutter besteht zum Beispiel aus verschieden Salaten, Rucola, Vogelmiere, Löwenzahn und Kresse. Grünfutter lässt sich auch leicht selbst herstellen. Man nimmt kleine Pflanzschalen und bringt etwas Walderde ein. Dann können verschiedene Samen auf die Walderde gestreut werden und schließlich

wird alles angefeuchtet, schön nach kurzer Zeit zeigen sich, zum Beispiel von Kresse, die 

jungen Pflanzen. Die Schalen dann in die Voliere oder Box stellen damit sich die Vögel hier bedienen können.

 

Tierische Nahrung, bestehend aus einem Eifutter oder auch gefrosteten Pinkies oder Buffalos, wird von mir nur während der Brutphase den Vögeln zu Verfügung gestellt und unterschiedlich akzeptiert. Hier hilft nur eine genaue Beobachtung. Ein zuviel an tierischer Nahrung kann leicht zu Leberschäden führen, deshalb sollte man hiermit recht sparsam umgehen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Vögel verfetten und damit für die Zucht unbrauchbar werden.

 

Mineralien sind ein weiterer sehr wichtig Bestandteil einer gesunden Ernährung unserer Vögel. Im Handel ist eine Vielzahl an Mineralien für die Vogelzucht in fertiger Form erhältlich.

Gängige Mischungen reichere ich noch mit  etwas Holzkohle, die ebenfalls im Handel erhältlich ist, an. Mineralstoffe sind Substanzen die zu den unentbehrlichen Bestandteilen einer ausgewogenen Ernährung gehören. Ihnen wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Mineralien müssen auf jeden Fall ganzjährig den Vögeln zu Verfügung stehen. Ein Mineralstoffgemisch lässt sich nicht selbst herstellen, vielmehr muss es ausgewogen auf den tierischen Organismus abgestimmt sein. Im Handel sind eine ganze Menge verschiedener Präparate wie Vogelgrit, Magenkiesel, Kalksteine und Sepiaschalen erhältlich. Zerkleinerte Eierschalen, die vorher im Backofen auf 80 Grad kurzfristig erhitzt wurden, werden gerne genommen. Neben den Mineralstoffmischungen reiche ich meinen Vögeln noch Nekton MSA. Ein Produkt das auf diesen Umstand hin entwickelt wurde und eine ausgewogene Versorgung gewährleistet. Mineralstoffe sind extrem wichtig vor und auch während der Brutperiode um der Legenot bei den Weibchen vorzubeugen.

 

Oft werden die unterschiedlichsten Vitaminpräparate über das Trinkwasser oder auch das Keimfutter den Vögeln verabreicht. Vitaminpräparate sollten wenn überhaupt nur sehr gering dosiert Anwendung finden. Hier ist man oft versucht nach dem Motto „ viel hilft viel“ den Gouldamadinen etwas Gutes zu tun. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Oft führt ein Zuviel an Vitaminen zu irreparablen Gesundheitsschäden. Wer auch während der Brutperiode Zuviel Vitamine verabreicht darf sich nicht wundern wenn der Bruttrieb der Vögel so stark wird, dass gerade geschlüpfte Junge aus dem Nest geworfen werden um wieder mit einer neuen Brut beginnen zu können.

 

Die Ernährung unserer Vögel ist immer angelehnt an ihr natürliches Verhalten in der freien Natur. Auch dort spielt sich das Leben in Zyklen ab die in erster Linie von den möglichen Futter und Wasserquellen abhängig sind. So fällt die Brutphase häufig in die Regenzeit oder die Zeit kurz danach wenn ausreichend Nahrung in jeglicher Form im Überfluss vorhanden ist. Während der Ruhephase wandern dann die Vögel in Gebiete wo noch ausreichend Wasser und Nahrung zu Verfügung steht. Der Bruttrieb ist dann nicht mehr vorhanden. So ist es auch nur richtig, dass wir unseren Vögeln eine ausreichende Regenerationsphase können um sie dadurch auch gleichzeitig auf die neue Zuchtphase vorzubereiten.

 

  

Krankheiten

 

Gouldamadinen sind sehr empfindliche gegen Luftsackmilben. Während alle anderen Prachtfinken hiermit keine Probleme haben, leiden die Goulds sehr unter diesen Parasiten.

Diese Milbenart dringt in die Luftröhre ein und erschwert das Atmen, verursacht Niesen, Husten bis hin zum kompletten Stimmverlust. Die Vögel sitzen aufgeplustert und sind am keuschen und würgen. Am Ende sind die Vögel völlig abgemagert und verenden. Hilfe bringen verschiedene Präparate die über den Tierarzt erhältlich sind. Ich selbst tropfe in einem solchen Fall 2 Tropfen auf ein Wattestäbchen und verreibe dann die Medizin im Nacken des Vogels. Bereits am Folgetag können wir feststellen, dass sich der betroffene Vogel wieder erholt. Strips, um die Milben abzutöten, wie früher im Tierhandel erhältlich, sind heute per Gesetz verboten.

 

Häufig kommt es zu einer Kahlköpfigkeit der Gouldamadinen. Hierbei handelt es sich wohl um ein Problem das über Generationen vererbt wird und das sich nur dadurch lösen lässt, dass wir diese Vögel nicht zur Zucht verwenden. Eine helfende Medizin ist mir nicht bekannt.

 

Stockmauser tritt bei der Gouldamadinen häufiger auf als bei den meisten anderen Prachtfinken. Sind Gouldamadinen noch nicht komplett durch gemausert, sollten sie vom

Züchter nicht abgegeben werden. Sobald wir die Haltungsbedingungen verändern, besteht die Gefahr, dass es zu einer Stockmauser kommt. Temperaturschwankungen, Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, Lichtmangel und auch anderes Futter können leicht dazu beitragen das die Vögel unter einer Stockmauser leiden. Besonders empfindlich sind Vögel die bereits einen geschwächten Stoffwechsel haben.

 

Wichtig um Krankheiten vorzubeugen sind Sauberkeit, die richtige Ernährung und auch besonders bei der Gouldamadine zu erwähnen, ausreichende Wärme. Häufig hilft bei einem aufgeplusterten, augenscheinlich kranken Vogel schon eine Rotlichtlampe.

  

 

Die Vererbung

 

Um die Vererbung richtig zu verstehen müssen wir zu den Ursprüngen in Farben und Gestalt zurück gehen. Das Ziel eines jeden Züchters sollte es sein zunächst, unabhängig ob er die Wildfarben oder eine Mutation pflegen will, gesunde Vögel hervor zu bringen. Deshalb ist es wichtig bei dem Erwerb von Gouldamadinen großen Wert auf Ihren Gesundheitszustand zu legen. Es sollten grundsätzlich nur gesunde und ausgefärbte Vögel zur Zucht verwand werden. Die Vögel sollten zunächst aus einiger Entfernung (2m) beobachtet werden. Man kann dann sehr leicht am Gefieder und dem Verhalten feststellen in welchem Zustand sich der Vogel befindet. Nimmt man ihn dann noch in die Hand und bläst auf das Bauchgefieder kann man sehen ob der Brust und Bauchbereich fleischfarben und damit gesund aussieht.

Zeichnet sich das Brustbein ab, ist der Vogel krank. Ist der Brust und Bauchbereich gelb, ist der Vogel verfettet. In beiden Fällen sind die Vögel für die Zucht nicht geeignet.

 

Beginnen wir mit den Gouldamadinen in den 3 natürlichen Kopffarben schwarz, rot und gelb. Diese Erscheinungsformen bilden die drei Phänotypen. Die schwarzköpfige Variante gibt es mit 2 unterschiedlichen Schnabelspitzen, in rot und in gelb. Wenn wir dies berücksichtigen haben wir eigentlich 4 Phänotypen. Goulds in rotköpfig oder gelbköpfig haben jeweils eine Schnabelspitze entsprechend ihrer Kopffarbe.

 

Hinzu kommen jetzt noch die Genotypen. Bei den Genotypen handelt es sich um nicht sichtbare Erbanlagen, bei den Männchen sind es 9 und bei den Weibchen 6 die sich nur auf die jeweilige Kopffarbe beziehen. Rechnen wir jetzt zusammen so sind 54 unterschiedliche Verpaarungen innerhalb der 3 natürlichen Kopffarben möglich. Wie bereits anfänglich vermerkt kommt es hierdurch logischerweise zu einer Vielzahl von spalterbigen Vögeln. Wer jetzt rotköpfige Gouldamadinen miteinander verpaart kann also durchaus schwarzköpfige oder auch gelbköpfige Junge erhalten. Es ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Gouldamadinen heute spalterbig ist.

 

Ich möchte dieses Thema hier nur kurz abhandeln und für Interessierte das Buch „Gouldamadinen“ von Horst Bielfeld empfehlen. Hier wird die Vererbungslehre sehr übersichtlich behandelt. Neben der Vererbungslehre enthält dieses Buch sehr viel Wissenswertes über die Geschichte, Haltung und Zucht der Gouldamadinen.

 

Die weißbrüstige Mutation ist rezessiv. Rezessiv bedeutet in der Genetik zurücktretend. Generell unterscheiden wir zwischen einem dominanten und rezessiven Allel eines Gens.

Das dominante Allel setzt sich in der Merkmalsausprägung gegenüber dem rezessiven Allel durch. Das rezessive Allel ist hier durch eine Mutation entstanden und kann in Form einer Fehlfunktion auftreten, hier der Weißbrüstigkeit. Weißbrüstige Gouldamadinen treten in allen Mutationsvarianten und natürlich bei den wildfarbenen Vögeln auf. Es sollte sich also niemand wundern wenn jemand eine mit sehr schönen wildfarbenen Goulds besetzte Voliere hat, auch weißbrüstige Junge ausfliegen. Hier lag dann bei mindestens einem Elternteil eine spalterbigkeit vor. Die Weitervererbung der Weißbrüstigkeit kann also verdeckt wie auch offen erfolgen.

 

Wer einen wildfarbenen Hahn mit einer Weißbrust Henne verpaart wird nur wildfarbene Junge spalterbig in Weißbrust erhalten. Wer einen Weißbrust Hahn mit einer spalterbigen Henne verpaart erhält 50 % Weißbrust und 50 % spalterbige Vögel. Weißbrust mal Weißbrust Vögel ergeben demnach in der Mehrzahl Weißbrust Nachkommen.

 

Die ersten blauen Gouldamadinen wurden in Australien in den 60er Jahren gezüchtet. Bedingt durch das Ausfuhrverbot ist aber keiner dieser Vögel nach Europa gelangt. In Europa mussten die Züchter bis Mitte der 70er Jahre warten bis die ersten blauen Gouldamadinen gezüchtet wurden. Es hat dann noch mehr als 10 Jahre gedauert bis sich diese Mutationsform gefestigt hatte. Die blaue Mutation ist durch den Verlust aller Fettfarben entstanden. Es fehlen das gelbe Lutein und das rote Astaxanthin. Das intensive Rot und Gelb ist so komplett verloren gegangen. Auch das schöne Grün auf den Flügeldecken und dem Rücken fehlt komplett. Durch das Fehlen der Farbe Gelb verbleibt nur die blaue Strukturfarbe und es kommt nicht zur Vermischung die das schöne und intensive Grün hervorbringt. Auch die blaue Farbe vererbt sich gegenüber der Wildfarbe rezessiv. Es gibt also Vögel in Wildfarben die spalterbig in blau sind.

 

Die Vererbung der blauen Goulds verläuft vergleichbar der der Weißbrust Vögel. Verpaaren wir einen blauen Hahn mit einem wildfarbenen Weibchen erhalten wir 100 % wildfarbene Vögel spalterbig in blau. Verpaaren wir dann einen blauen Hahn mit einem spalterbigen Weibchen erhalten wir 50 % wildfarbene Vögel spalterbig in blau und 50 % blaue Goulds.

Diese Variante wird von vielen Züchtern bevorzugt weil man die guten Eigenschaften der Wildvögel auf die blaue Mutation übertragen möchte. Die Vögel erscheinen oft gesünder und größer. Bei der blauen Mutationsform kommt dann oft noch der Weißbrustfaktor hinzu. Viele Züchter bevorzugen die blauen Gouldamadinen in Weißbrust.

 

Ebenfalls in den 80er Jahren erschienen dann die ersten gelben Goulds auf dem Markt. Wie so oft in der Vogelzucht waren es holländische Züchter die sich hier um einen gesunden Vogelstamm bemühten. Wir haben es bei den gelben Goulds mit einer geschlechtsgebundenen Vererbung zu tun. Ein Männchen das das Allel nur in einfacher Form besitzt sieht fast Wildfarben aus. Wir sprechen dann von der Farbe Pastell die nur bei den Männchen auftreten kann. Die Farbe Grün erscheint bei diesen Vögeln insgesamt heller. Der schwarze Kehlfleck und die schwarze Umrandung der Kopffarbe wirken hier grau. Diese Vögel gelten genetisch als spalterbig. Auch bei den gelben Goulds gibt es Weißbrust Vögel.

 

Verpaaren wir jetzt einen gelbes Weibchen mit einem wildfarbenen Hahn, erhalten wir 50 % Pastell Hähne und 50 % wildfarbene Weibchen. Eine Spalterbigkeit tritt bei den Weibchen nicht auf. Wenn wir jetzt einen gelben Hahn mit einem wildfarbenen Weibchen verpaaren, erhalten wir 50 % Männchen in Pastell und 50 % Weibchen in Gelb. Zum Schluss verpaaren wir dann noch ein gelbes Weibchen mit einem Pastell Hahn und jetzt erhalten wir 25 % gelbe Männchen und 25 % Männchen in Pastell. Bei den Weibchen erhalten wir 25 % gelbe Vögel und 25 % wildfarbene Vögel. Die Mutation Weißbrust kann auch hier mit eingekreuzt werden aber damit möchte ich mich jetzt nicht beschäftigen. Sie können hierzu gerne wieder auf den Absatz Weißbrust zurückgreifen.

 

Neuerdings, und auch von mir gehalten, gibt es die Gouldamadinen auch in der Lutino Mutation. Diese Vögel sind leicht an ihren roten Augen zu erkennen. Ansonsten ähneln sie der gelben Mutation.

 

Es sollen auch bereits Schecken aufgetreten sein. Ich selbst habe noch keine wirkliche Schecken gesehen und es liegen auch keine Erkenntnisse vor die ich hier veröffentlichen möchte. Häufig handelt es sich auch um Vögel die eine unsaubere Färbung aufgrund einer problematischen Mauserphase hinter sich haben. Bei der nächsten Mauser ist dann die leichte Scheckung verschwunden.

 

 

Weiße und auch Silberfarbene Vögel sind letztendlich aus den blauen und gelben Gouldamadinen entstanden. Die Zucht der silberfarbenen Vögel ist kompliziert weil wir den blauen, dominant rezessiven Erbgang und den gelben/Pastell Erbgang benötigen. Die weißen Vögel entstehen dann aus der Verpaarung silberfarbener Vögel. Gesichert ist das es heute auch spalterbige Vögel gibt. Ich selbst konnte weiße Vögel verpaaren mit gelben und habe wiederum weiße Jungvögel erhalten. Der Erbgang ist bis heute noch nicht eindeutig erforscht.

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